Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

Merlin von Multiplex

Der Name ist Programm: ein Karton voller Wunder und ein Modell, das verzaubert!

In der fast schon für Multiplex typischen Styroporbox wird der Merlin geliefert. Jedes Teil hat seinen festen Platz, so dass beim Versand sich nichts lösen oder beschädigt werden kann Gleichzeitig dient die Verpackung auch nach dem Bau noch als Transportbehälter, doch dazu später mehr. Nun wird erst mal gebaut:

Technische Daten:

  • Spannweite: 783 mm
  • Länge über alles: 598 mm
  • Fluggewicht Segler/Elektro: ca. 240 g / 290 g
  • Gesamtflächeninhalt: 11,3 dm²
  • Flächenbelastung: 21,2/25,7 g/dm2
  • RC-Funktionen: Höhe, Seite, Quer (2 Servos), Motor,
  • Landehilfe durch Aufstellen der Querruder

 

Lieferumfang:
Das Modell wird in folgenden Einzelteilen geliefert:

  • Zwei Tragflächen
  • Zwei Rumpfhälften
  • Zwei Tragflächen für das Höhenleitwerk.
  • Gestänge für die Anlenkungen
  • CFK Holme zur Verstärkung der Tragflächen
  • Verschieden GF Stäbe zur Versteifung des Rumpfes.

Mit dabei sind noch verschiedene Kleinteile aus Kunststoff, auf die im Baubericht genauer eingegangen wird.

 

Zur Fertigstellung des Modells werden noch folgende Teile benötigt:

Motor & Regler
Hier fiel die Wahl auf den von Multiplex eigens für den Merlin zusammengestellten „Tuning“ Antrieb. Mit ihm werden folgende Teile geliefert:

  • 1 Brushless-Motor Himax
  • 1 Regler MULTIcont BL-20 S-BEC
  • 2 Klappluftschraubenblätter 7“ x 4“
  • 2 Klappluftschraubenblätter 8“ x 5“
  • 1 Spinner Ø 33 mm, Blatthalter und Mitnehmer (für Wellen-Ø 3 mm)

An diesem Paket gefällt mir besonders, dass man etwas mit den Luftschrauben experimentieren kann und die Komponenten aufeinander abgestimmt sind.


Akku und Empfänger
Als Akku kommt der mit drei Zellen und 450 mAh Kapazität von Multiplex empfohlene LI-BATT BX 3/1-450 zum Einsatz. Als Empfänger dient ein R6017FS von Robbe/Futaba.

 

Der Bau
Im ersten Schritt werden die Servos für den Einbau vorbereitet. Sehr schön ist auf einer Abbildung dargestellt, in welcher Position die Servohörner aufgesteckt werden müssen und welches Loch später für die Anlenkung verwendet wird.

Es empfiehlt sich, wie in der Anleitung beschrieben, die Servos zu kennzeichnen. So kann später während des Einbaus keine Verwechslung der Servos entstehen. Die beiden Servos des Heckleitwerks werden für eventuelle Wartungsarbeiten in einen Servorahmen geklipst und müssen so nicht mit dem Modell selbst verklebt werden.

Über einen UniTest 2 habe ich die Servos gleich auf die Mittelstellung gebracht, dies sollte auf keinen Fall vergessen werden, denn der Servo für das Höhenleitwerk verschwindet komplett im Rumpf und ist später nur durch ein Freischneiden des Elapors zugänglich!

Im zweiten Schritt werden die Ruderhörner, sowie die Mechanik des Pendelleitwerks (Höhenleitwerk) vorbereitet. Hier sollte darauf geachtet werden, dass alle Komponenten leicht gängig sind. Um ein unbeabsichtigtes Lösen der Aufnahme für die Anlenkung des Höhenleitwerks zu vermeiden, sollte die Mutter mit etwas Sekundenkleber fixiert werden.

Im nächsten Arbeitsgang wird der Motor mit vier Schrauben an der Rumpfnase befestigt. Hier sollte besonders gewissenhaft gearbeitet werden, denn ein Wechsel des Motors nach Aufkleben der Rumpfhaube ist einem chirurgischen Eingriff gleich zu setzen. Sprich: „Da geht es eng zu“!

 

Danach wird die rechte Rumpfhälfte aufgebaut. Auf der Außenseite wird ein Glasfaser (GF) Stab über die komplette Länge geklebt. Dieser verleiht dem Rumpf (zusammen mit den noch folgenden) eine unheimliche Torsionsfestigkeit. In der Innenseite wird die Mechanik für das Pendelleitwerk in die dafür vorgesehene Halterung geklebt. Der Rahmen für den Rumpfdeckel, sowie die Auflagefläche für die Tragflächen werden ebenfalls mit Sekundenkleber eingearbeitet. Es folgt ein weiterer GF Stab, sowie der Servo zur Anlenkung des Höheleitwerks. Dieser wird wie bereits anfangs erwähnt über einen Rahmen verklebt. Danach wird das Gestänge für die Anlenkung des Höhenleitwerks entsprechend abgelängt, verklebt und angeschlossen. Die Mechanik des Pendelleitwerks muss noch nicht exakt ausgerichtet werden, hier hat sich Multiplex etwas einfallen lassen, aber dazu später mehr.


Auf der andren Rumpfhälfte wird lediglich ein GF-Stab angebracht, danach werden die beiden Rumpfhälften verklebt. Bevor man die Klebung ausführt sollte man peinlicht drauf achten, dass die beiden Hälften ohne großen Kraftaufwand sauber in einander passen. Bis zum Austrocknen den Klebers hat man hier mehr Zeit als man denkt und kleine Korrekturen können noch vorgenommen werden.

Ist der Rumpf verklebt, wird der Servo für das Seitenleitwerk über den Servorahmen eingeklebt. Auch hier gilt: Zuerst eine Trockenübung und danach mit dem Kleber.


Bevor die Antriebseinheit auf die Schnauze des Rumpfes geklebt wird, sollte der Regler angeschlossen und die Drehrichtung des Motors geprüft werden. Der Regler sollte gleich in den Rumpf eingelegt werden. Zwar kann man den Regler auch noch später anschließen, aber dabei geht es wie oben beschrieben wirklich eng zu.

Das Pendelleitwerk ist als Steckvorrichtung realisiert worden, in einer Hälfte wird ein Zapfen, in den anderen die Hülse mit entsprechender Arretierung eingeklebt. Bevor man das Höhenleitwerk zum Test einbaut, sollte man entweder warten, bis der Kleber getrocknet ist oder mit etwas Aktivator nachhelfen, ansonsten schafft man hier unbeabsichtigt eine dauerhafte Verbindung.


Montage der Flächen.
In jeder Fläche wird eine Halterung für die Flächenauflage des Rumpfes verklebt. Über sie ist es möglich, die Flächen für den Transport wieder abzunehmen. Stabilisiert wird die Tragfläche durch einen vierkant Kohlestab, der etwas länger als die Tragfläche selbst ist und durch die oben beschrieben Halterung direkt in die Halterung der gegenüberliegenden Fläche reicht. So sind die beiden Tragflächen elegant miteinander verbunden und die beim Flug wirkenden Kräfte werden entsprechend verteilt.

Sekundenkleber in Verbindung mit dem CFK Stab und Elapor reagiert sehr schnell, und so muss man hier entweder trickreich oder schnell arbeiten.

Ich hatte mich zunächst für schnell entschieden, jedoch unterlief mir dabei ein eklatanter Fehler und ich durfte mir neue Tragflächen besorgen! Der Grund: Ich war so darauf konzentriert die Kohlestäbe ganz nach unten in die Tragfläche zu bekommen, dass ich nicht bemerkte, wie etwas Sekundenkleber in die Kunststoffhalterung gelaufen war. Danach war es mir nicht mehr möglich, die Flächen zusammen zu stecken. Auch ein Nacharbeiten mit dem Dremel brachte nicht den gewünschten Erfolg und es blieb nur der Neustart übrig.


Tipp
Deshalb hier eine Anleitung, wie man sehr langsam und vor allem gefahrlos arbeiten kann:

Im ersten Schritt werden die Kunststoffhalterungen eingeklebt. Bitte nur eine Seite mit Klebstoff benetzen! Auf keinen Fall zu viel Sekundenkleber verwenden, sonst läuft man in Gefahr, dass diese in die Aufnahme für den gegenüberliegenden Kohlestab läuft.

Nun wird der Kohlestab ganz in die Fläche eingeschoben.

Der Sekundenkleber wird mit einer Spritze (Kanüle der Größe 2) aufgezogen und in den Spalt Zwischen CFK-Stab und Elapor injiziert. Anschließend kann man die Tragfläche noch leicht schräg anstellen (überstehenden CFK-Stab nach oben) und etwas dünnflüssigen Sekundenkleber etwas tiefer in die Ritzen eindringen lassen. Auch hier gilt wieder: Die beider Flächen erst nach dem Austrocknen des Klebers zusammenführen!

Nun werden die Servos, in die Tragfläche eingebaut. Bevor man die Anlenkung der Querruder anbringt, sollte man die Querrruder gängig machen. Also werden die Querruder frei geschnitten und einmal nach oben und unten gebogen. Dieser Vorgang ist extrem wichtig, da man ohne ihn später nicht den maximalen Ausschlag von 12 mm erreichen wird. Die Kabel der Servos werden einfach in den dafür vorgesehenen Schlitz verlegt, ein Verkleben ist nicht notwendig.

Nun werden noch die Servohutzen mit etwas Kleber fixiert und der Bau neigt sich langsam seinem Ende zu. Lediglich noch die Abdeckungen der Servos sowie die Aufkleber müssen am Modell angebracht werden und der Bau ist beendet.


Elektronik
Oje, die vielen Kabel sollen da nebst Empfänger und Akku noch Platz finden? Ja, und sogar noch mit etwas Luft! Aber dennoch sollte man ein paar Dinge beachten:

Die Zuleitungen zum Motor sollten mit dem Rumpf verbunden werden, sonst könnten diese den Außenläufer ungewollt bremsen oder es könnte sogar ein Kabel durchgescheuert werden. Am besten eignet sich dafür ein Stück des übrig gebliebenen GF-Stabs. Dieser wird, getränkt mit Sekundenkleber, mit einer Pinzette in den Rumpf eingedrückt.

Die Magnetspule wurde mit einem Kabelbinder am Regler befestigt, so ist nicht nur die Spule fixiert, sondern der Regler hat auch die ideale Breite um durch einfaches Eindrücken im Rumpf fixieren zu werden.

Zugegeben, ich wollte die Zuleitungen der Servos anfangs kürzen. Aber als ich feststellte, dass sich diese kompakt hinter dem Empfänger verstauen lassen, entschied ich mich dagegen. Der R617FS Empfänger kann so weit eingeschoben werden, bis er sich im Rumpf verklemmt hat. Eine zusätzliche Fixierung ist nicht nötig.

Über die Positionierung des Akkus kann der Schwerpunkt des Modells eingestellt werden. In meinem Fall musste der Akku ganz vorne untergebracht werden.

Nun wird noch kontrolliert, ob die EWD stimmt. Dazu hat Multiplex ein kleines „Sichtfenster“ am Heck frei gelassen, so dass man prüfen kann, ob sich die Schraube zur Befestigung der Heckanlenkung direkt darunter befindet. Falls nicht kann dies leicht korrigiert werden.

Fertig.
Das Modell hat nun ein Abfluggewicht von 324 Gramm.


Einstellungen
Alle Ausschläge wurden gemäß den Angaben des Herstellers eingestellt. Zusätzlich wurden auf Quer- und Höhenruder 30% Expo und auf das Seitenleitwerk 25% gemischt.

Erstflug
Sonntag, es geht ein leichter Wind und außer einem E-Heli, der seine Kreise am Rande des Flugfelds zieht ist niemand in der Luft. Ideal für einen Erstlfug!

Also Gas rein und kraftvoll zieht das Modell nach oben. Lediglich das Querruder musste etwas nachgetrimmt werden. (Hier macht es sich doch tatsächlich bemerkbar, auf welcher Seite der Akku befestigt war!) Alle anderen Einstellungen waren sehr gut und so konnte das Modell gleich beweisen, was es kann.

Leichter Überflug über den Platz, Vollgas und der Merlin ging senkrecht nach oben. Beeindruckend die Leistung des „Kleinen“. Die Rollen werden bei vollem Ausschlag sehr schnell und präzise ausgeführt. Auch das Anstechen macht dem Modell keinerlei Probleme. Die Elaptor Querruder halten sehr stabil. Nach ca. 7 Steigflügen (bei voller Motorleistung mit den „8 x 5“ Klappluftschraubenblättern) lässt der Akku nach und sollte wieder betankt werden. Hat man den Spoiler eingestellt, kann das Modell relativ langsam und punktgenau gelandet werden.

Mit ein paar Handriffen werden die Tragflächen und das Höhenleitwerk abgenommen und in der Styroporbox transportiert. Hier ist sehr schön zu sehen, mit welchem Detailgrad Multiplex an der Verpackung gearbeitet hat. Es wurde sogar an eine Aussparung für die Ruderhörner der Flächen gedacht.

Fazit:
Der Bau des Modells ist in moderater Zeit realisierbar und die Arbeitsschritte sind klar verständlich. Das Konzept des Modells ist bis ins Letzte durchdacht und überzeugt durch seine schlichte Einfachheit. Die Leistung des „Tungin“ Abtrieb ist mehr als ausreichend dimensioniert. Bedingt durch die einfache Demontage des Modells – nebst sicherer, platz- sparender Verwahrung in der Styroporbox – wird der Merlin zum idealen Reisebegleiter. Findet er doch mit gerade mal 11 x 18 x 61 cm in jedem Kofferraum einen Platz.

Der Merlin ist ein vollwertiger Spaßflieger, mit dem man – je nach Bedarf – auch mal richtig Aufdrehen kann, und manch einer wird verwundert sein, was man aus diesem Modell alles herausholen kann. Einzig der Akku könnte etwas größer dimensioniert sein. Jedoch würde sich dies wieder negativ auf die Flugeigenschaften des Modells auswirken.

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