Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

Blue Arrow CP von Robbe

Mit seinen gerade mal 305 mm Rotordurchmesser gehört der Blue ARROW CP von Robbe zu den Micro-Helikopter. Jedoch verbergen sich hinter diesen minimalen Werten, alles andere als minimale Flugeigenschaften, verfügt er doch über ein eingebautes FBL-System. Was der „blaue Zwerg“ alles kann und für wen er geeignet ist, kann man im folgenden lesen.

Wie jedes Jahr kommt der Winter überraschend schnell und die Vereinskollegen fliegen schon längst in der Halle. Für den 250er ist im gemischten Hallenfliegen (Fläche und Heli) immer etwas wenig Platz, bzw. kann es da dem einen oder anderen Fliegerkollegen zwischendurch etwas mulmig werden. Da ich keine Lust auf lange Wartezeiten hatte und öfter in der Halle fliegen wollte, kam der Blue ARROW CP gerade recht. Ready to Fly und das noch Pitch gesteuert, die Entscheidung war schnell getroffen.

Mein Postler kennt mich mittlerweile schon recht gut, und er überreicht mir das handlich kleine Paket mit den Worten: „Mal wieder was zum Fliegen, wie? Ist aber wohl nicht sehr groß?“.

Im Lieferumfang war folgendes enthalten: Der Helikopter selbst (fix und fertig aufgebaut), ein 1S 350 mAh Akku, ein 2,4 GHz Sender sowie ein Ladegerät nebst deutscher Anleitung. Sollte man einen Unfall mit dem Heli haben, hat der Hersteller vorsichtshalber ein paar Ersatzrotorblätter, sowie ein Heckrotorblatt beigelegt. Auch das nötigste Werkzeug fehlt nicht.

Auf der Verpackung des Helis fallen mir zwei Werbeaufschriften auf. Zum Einen „RTF“ (also: Ready to fly), und zum Anderen „3D READY“. Na, das wollen wir doch gleich mal ausprobieren… Aber so lange der Akku noch lädt, schau ich mir das Modell zunächst mal genauer an.

Um einen besseren Überblick über den Heil zu bekommen, wird die Haube abgezogen,diese ist an einem CFk Stab befestigt und die dünnwandige Haube kann ohne Probleme entfernt werden. Jedoch sollte sich beim Aufsetzen der Haube zeigen, dass es eine ganz schöne „Fummelei“ ist, bis man die wieder richtig „mittig“ aufgezogen hat. Um so mehr freue ich mich darüber, dass für ein Akkuwechsel und den Ladevorgang, die Haube nicht abgenommen werden muss! Das ist lediglich für Einstellarbeiten nötig.

So, los geht es mit der Inspektion.
Die zentrale Steuereinheit RX-2617V ist am Kopf des Helis untergebracht. Sie hat gleich dreifache Funktion, verbirgt sich in ihr doch der 2,4 GHz Empfänger, das Stabilisierungssystem sowie der Regler für den Motor. An ihr werden die drei Servos für die Taumelscheibe, sowie ein Bürstenmotor für den Haupt- und Heckantrieb angeschlossen. Die Stummelantenne ist gerade mal 3 cm lang. Über 2 Pottis kann die Giroempfindlichkeit für Nick und Roll eingestellt werden. An zwei weiteren Servos kann der Servoweg und die Servogeschwindigkeit eingestellt werden. Auch sind zwei DIP Schalter vorhanden, über die der Flugmodus und eine Umkehrung des Pitchweges eingestellt werden kann.

Der Mainframe ist aus Kunststoff, das Landegestell sowie das vierkant Heckrohr sind aus CFK. Bei den beiden Motoren handelt es sich – zu meinem Bedauern – um Bürstenmotoren, sind diese doch nicht gerade für ihre hohen Leistungen und Wartungsfreiheit bekannt. Der Motor für den Hauptrotorantrieb wirkt direkt auf das aus Kunststoff bestehende Hauptzahnrad. Die kugelgelagerte Taumelscheibe ist, wie der TS-Mitnehmer und der Hauptrotorkopf aus Kunststoff. Das Element Kunststoff setzt sich auch bei den Blatthaltern fort. Lediglich der Hauptrotorkopfteller ist aus Alu. Die drei TS-Servos sind funktional angebracht, die komplette Anlenkung ist erstaunlich spielfrei.

Die 13,5 cm langen Rotorblätter sind ebenfalls aus Kunststoff. Auch der unter dem Modell angebrachte Korb zur Aufnahme des Akku besteht aus Kunststoff. Faszinierend ist das Landegestell. Es besteht aus 0,63 mm starken CFK Rohren, die aufgrund ihrer filigranen Erscheinung sehr zerbrechlich wirken, tatsächlich jedoch munheimlich stabil sind und auch härtere Landungen recht gut abfedern sollten.


Weiter geht es mit dem Heck. Der aus einem Stück gefertigte Heckrotor wird über einen eigenen Bürstenmotor angetrieben. Dieser sitzt parallel auf dem Heckausleger und die Kraft wird mittels einen Kegelrads auf den Heckrotor übertragen. Die Kabel für den Heckmotor laufen – sauber verstaut – im vierkant CFK Heckrohr. Damit der Heckrotor nicht im Boden einschlägt, ist direkt unter dem Motor ein CFK Stab zur Abstützung des Hecks angebracht.

Der erste Eindruck, den das Modell vermittelt ist nicht schlecht, alles wirkt stabil und gut montiert. Da kommt schon etwas Vorfreude auf den Erstflug auf. Lediglich die verwendeten Bürstenmotoren lassen mich etwas an der Aussage „3D“ zweifeln, bin ich mir doch noch nicht im klaren darüber, ob deren Leistung ausreichen wird.

Der Akku lädt noch, also mache ich mich mit der Fernbedienung vertraut. Bevor diese in Betrieb genommen werden kann, muss sie noch mit 8 AA Batterien gefüttert werden. Standardmäßig wird die Fernsteuerung in Mode 2 ausgeliefert, kann aber in wenigen Schritten auf einen anderen Modus umgebaut werden. Im ersten Moment erinnert mich die Fernbedienung an meine alte MX-16s, jedoch nur auf den ersten Blick. Neben den Steuerknüppeln und den Tastern für die Trimmung, verfügt die Fernbedienung über 4 Schalter und zwei Regler. Die Menüsteuerung wird über zwei Kippschalter, sowie zwei Taster vorgenommen.

Schon beim Einschalten besticht die Fernbedienung durch ihre dezente Hintergrundbeleuchtung. Die Schrift auf den Display ist dagegen bestechend scharf. Das Konzept der Programmierung ist recht einfach aufgebautt. Die gewünschte Position wir angesprungen und danach aktiviert und/oder über einen der beiden Drehregler eingestellt. Da hier jedoch alles schon RTF eingestellt ist, sah ich zunächst keine Notwendigkeit, eine Einstellung anzupassen.

So, der Akku ist geladen und ich möchte es wissen! In meinem Büro ist genügend Platz für einen Testflug. Doch irgendwie bekomme ich Sender und Modell nicht gekoppelt. Also führe ich einen Bidevorgang aus, dieser ist etwas unkoventionell, jedoch recht einfach. Zuerst wird der Akku am Modell angeschlossen, danach schaltet man die Fernsteuerung ein. Fertig. Das Modell bestätigt die Einsatzbereitschaft durch ein kurzes „Zucken“ der Taumelscheibe. Kurzer Check der Funktionen, danach steht dem Erstflug nichts mehr im Weg. Gestartet wird immer im Normalmodus. Will heißen, der Pitchknüppel ist ganz hinten. In diesem Modus bilden Pitchkurve und Gaskurve eine ansteigende Gerade. Je mehr Pitch man gibt, desto höher dreht der Motor und der Pitchwinkel wird größer. Als der Pitchknüppel etwas über der Mitte stand, schwebte das Modell recht ruhig vor mir. Genau so sollte es sein, dachte ich mir und fing an, etwas mit dem Heli durch das Büro zu fliegen. Danach wechselte ich die Flugphase auf „3D“. Hier liegt eine V-Kurve auf dem Gas und die Ausschläge für positiven und negativen Pitch sollten jetzt groß genug sein, um mit dem Heli auch auf dem Rücken fliegen zu können. Doch bevor wir dazu kommen, folgte ein weitere Rundflug mit dieser Flugphase.
Mir reagierte das Modell noch nicht direkt genug und ich wünschte mir etwas mehr Power. Also folgte eine Landung und die Einstellungen wurden entsprechen an der Fernbedienung vorgenommen. Dazu musste die Anleitung genau studiert werden, denn sie lässt aufgrund der knappen Beschreibung Spielraum für Interpretationen, und ich hätte mir an der ein oder anderen Stelle ein paar Beispiele oder auch die Darstellung der Einstellungen im Auslieferungszustand gewünscht. Aber Dank Internet konnte ich meine Wissenslücke schnell schließen und die Einstellung gemäß meinen Wünschen vornehmen.

Der Zweitflug fand in der Halle statt, hier hat man doch gleich mehr Platz und wird auch etwas experimentierfreudiger. Zunächst wurde der Heli im Speedflug durch die Halle gescheucht und jeweils mit Turns gewendet. Dabei musste ich feststellen, das der Heli etwas zum Unterschneiden neigte, also wurde auch hier etwas am Poti gedreht. Danach war das Fliegen eine „runde Sache“ und der Heil lag merklich besser in der Luft. Auch ein schnellerer Rückwärtsflug lies das Heck nicht ausbrechen. Ich war begeistert! So eine Halle ganz alleine für sich zu haben ist ein feine Sache! Also wurde nun in Achten durch die Halle gejagt, wobei das Modell erstaunlich Speed aufnahm.

In weiteren Flügen wurden Loopings, Flips, Tunnel etc. probiert, auch diese absolvierte das Modell ohne Probleme. Auch der Rückenflug war stabil und angenehmen. Also, auf zu kraftzehrenderen Figuren:

Tic- Toc Tic-Aus.
Ich hatte es mir ja schon fast gedacht, und alles andere hätte mich auch ganz offen gestanden gewundert. Bei den TicTocs war dann doch Schluss mit der 3D Tauglichkeit. Hier fehlt dem Bürstenmotor einfach das entsprechende Quäntchen an zusätzlicher Leistung und er kommt an seine Grenzen.

Nur Indoor?
Nein, bei entsprechenden Windverhältnissen kann man das Modell auch im Freien fliegen, und wählt man den Untergrund entsprechen (Gras etc.) hat man gute Chancen, dass der Heil aufgrund seinen geringen Eigengewichts einen Absturz ohne Schaden überlebt. So durfte der Heli einmal im Rückenflug den Boden „knutschen“, danach wurde er einfach hingestellt und es ging weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Fazit
Der Blue ARROW CP ist ein cooles Modell für großräumige Büros und Wohnungen, um auch bei Regenwetter seinem Hobby nachgehen zu können. Hartes 3D ist mit dem Modell jedoch nicht möglich. Aufgrund der geringen Betriebskosten und der Robustheit bei Crashs kann man mit dem Heli sehr schön üben. Auch das RTF Prinzip kommt Fliegern mit wenig Zeit zugute. Lediglich die Verwendung von Bürstenmotoren finde ich weder zeitgemäß noch gelungen, hätte man hier doch noch deutlich mehr aus dem Heli heraus holen können. Auch die Anleitung hätte etwas ausführlicher ausfallen dürfen.

Für wen eignet sich der Heli?
Das Modell selbst könnte aufgrund seiner gutmütigen Flugeigenschaften auch für Anfänger empfohlen werden, jedoch sollte man hier einen fachkundigen Helipiloten haben, der einem bei den Einstellungen des Helis zur Hand gehen kann. Ansonsten könnten verschiedene Einstellungen auch schnell aus dem Ruder laufen. Dass auch Experten ihre Freude mit dem Modell haben können, steht für mich außer Frage, bringt es doch etwas neuen Wind in die Microcopter Szene.

Technische Daten:
Rotordurchmesser: 305 mm
Höhe: 94 mm
Länge: 275 mm
Gewicht (Flugfertig mit Akku) 65 Gramm
Gewicht Akku: 10 Gramm
Akku: 1S 350 mAh
Übertragung: 2,4 gHz
GYRO: 3 Achsen

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