Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

Fly it – Crash it – Rebulid it

Das Motto der Aktion

Mittlerweile findet man sehr gute Anleitungen sowie Übungen zu den unterschiedlichen Kunstflug- bzw. 3D Figuren. Und dank realitätsnaher Flugsimulatoren kann man die Figuren auch kostensparend am PC üben. Aber irgendwann kommt der Tag der Wahrheit, man steht mit der Fernbedienung auf dem Flugplatz und es wird erst! Die folgenden Minuten entscheiden dann über den weiteren Verlauf des Tages. Entweder: man ist vollauf zufrieden und übt schon fleißig die nächste Figur. Oder: man schraubt und bestellt Ersatzteile! Mit welchen Kosten man dabei rechnen muss und worauf man bei der Modellwahl achten sollte wird in diesem Artikel Thema sein.

Eins noch vorweg: Wo gehobelt werden fallen Späne… Ich habe in der Vergangenheit mit ein paar der besten 3D sowie Showpiloten Deutschlands gesprochen. Eine Frage die ich immer wieder gerne gestellt habe war die folgende: „Wie viele Helis sind dir denn schon abgestürzt?“. Sinngemäß war das Ergebnis immer das Gleiche. „Unzählige, die Zahl konnte ich mir nicht merken, waren einfach zu viele.“ Tja, und trotz dieser harten Aussage hatten dabei alle ein dickes Grinsen im Gesicht. Also, keine Angst. So schlimm scheint es nicht zu sein.

Wie kommt man nun zu seiner idealen Traingsmaschine? Zunächst einmal müssen alle relevanten Kriterien gesammelt werden. Die Anschaffungskosten, eventuelle Kosten für einen Umbau auf meine Bedürfnisse, sowie die durchschnittlichen Kosten bei einem Crash sind hier die wichtigsten Faktoren. Doch wie wirkt sich das alles aus?

Größe des Modells
Faustformel: Je größer das Modell, desto höher die Crashkoten. Bei fast jedem Crash kann man davon ausgehen, dass zumindest die Rotorblätter ersetzt werden müssen. Ich habe die Preise von 6 verschiedenen Herstellern herangezogen und daraus einen Mittelwert gebildet. Der Faktor gibt an, um wie viel teurer die Blätter im Vergleich zur 450er Klasse sind:

Klasse

Durchschnitt

Min

Max

Faktor

450

 31,68 €

 15,99 €

 39,90 €

 –

500

 49,87 €

 41,00 €

 54,90 €

 1,57

550

 61,64 €

 56,50 €

 69,90 €

 1,95

600

 69,00 €

 58,90 €

 77,90 €

 2,18

700

 89,03 €

 71,00 €

 111,90 €

 2,81

Schnell kann man hier erkennen, dass sich ein Helikopter der 700er Klasse nur bedingt für solche Trainingszwecke eignet, es sei denn, Geld spielt keine Rolle.

Mit den anderen Ersatzteilen verhält es sich ähnlich, je größer der Heli, desto teurer die Ersatzteile.

Nun könnte der Eindruck geweckt werden, dass es sich beim 450er um das ideale Modell handelt. Dies ist nur bedingt der Fall, denn entgegen der zuvor aufgestellten Formel: „Je größer das Modell, desto höher dir Crashkosten“ kommt noch ein weiterer Faktor hinzu:

Je größer das Modell, desto stabiler die Fluglage.
Je mehr Masse das Modell hat, desto resistenter ist es gegen böigen Wind und andere Einflüsse. Und gerade wenn die Figuren noch nicht so sitzen, kann man auf störende Einflüsse gerne verzichten. Wer schon mal einen 700er mit knapp 5 Kilo durch die Luft bewegt hat, kennt das Gefühl, beim Ausführen der Figuren fast unendlich viel Zeit zu haben. Der 450er wirkt dagegen extrem Quirlig und kann schnell mal zum Gummiball werden.

Energie
Hat man vor, das Modell elektrisch zu betreiben gilt es, eine weitere Hürde  zu nehmen.
Möchte man konstant trainieren und lange Wartezeiten durch den Ladevorgang der Akkus vermeiden, so sollte man mit ausrechend vielen Akkus auf den Platz gehen.

Bis zur Größe der 550er Klasse sind die Modelle mit einen 22,6 Volt (6S) Antrieb noch extrem gut motorisiert. Beim 600er könnte das schon etwas eng werden und gerade weil man in den Traingsphasen auch mal auf Energiereserven angewiesen ist, sollte ab der 600er Größe doch auf 8S zurückgegriffen werden.
Selbstverständlich gibt es hier ausnahmen auf dem Markt und so manches 600er Modell bringt auch mit einem 6S Akku eine gute Leistung, jedoch stehen hier die Kosten der Helimechanick nicht im Einklang mit dem Anwendungszweck bzw. dem erklärten Ziel, das Teil auch mal zu „erden“.

Berücksichtigt man die oben genannten Kriterien, befinden sich nur noch die 500er Klasse sowie die 550er Klasse im Rennen.
Im Anschaffungswert unterschieden sich die beiden Modelle um ca. 150€ – 200€ (gemittelter Wert durch Vergleich mehrerer Produkte). Aber produzieren wir doch mal einen virtuellen Crash  – kostet ja nichts – und stellen die Werte gegenüber.

500er

550er

extrem

leicht

extrem

leicht

Blätter

 41,00 €

 41,00 €

 56,50 €

 56,50 €

Heckrohr + Starrantrieb

 12,99 €

 13,99 €

Hauptzahnrad

 11,99 €

 11,99 €

 13,99 €

 13,99 €

Haube – neutral

 13,99 €

 13,99 €

 17,99 €

 17,99 €

Landegestell

 9,99 €

 9,99 €

 11,20 €

 11,20 €

Ein Seitenteil

 32,40 €

 50,00 €

Heckstreben

 8,99 €

 10,99 €

 

 131,35 €

 76,97 €

 174,66 €

 99,68 €

Um hier einen adäquaten Vergleich der beiden Klassen zu bekommen wurden zwei Modelle des gleichen Herstellers gegenübergestellt. Weiter Betrachtungen folgen später.

Die Differenz bei einem leichten Crash beträgt immerhin 23€ und somit hätte man nach dem 4ten Crash bei der 500er Klasse quasi einen frei. Oder mal anders ausgedrückt macht diese Differenz nach 5 Crashes bereits 113 € aus. Und genau aus diesem Grund, wurde auch hier zugunsten der 500er Klasse entschieden.

Marktübersicht der Helikopter
Mittlerweile gibt es die Helikopter der 500er Klasse in allen Ausführungen zu kaufen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein komplettes System oder lediglich die Mechanik erwerben möchte, der Markt hält für jeden was bereit. Hier mal eine Übersicht über ein paar bekannte Modelle:

T-Rex 500 Super Combo Atom 500 G10 Gaui 425 Logo 400 Robbe 4S Protos 500 Plastic ALIEN 500 E-CF Rigid
Flybarless Kopf Nein Nein Nein JA Nein Nein JA
Seitenteile CFK CFK Kunststof-CFK Kunststof-CFK CFK Kunststoff CFK
Motor Align 1600 KV 1080 KV ? Scorpion HK-3026 880KV
Regler Align 70 A 40 A YGE 60
TS-Servos DS-510
Heck Sevo DS-520
Gyro GP-780
FBL-System
Hauptrotorblätter CFK CFK CFK CFK CFK
Heckrotorblätter Kunststoff Kunststoff Kunststoff CFK Kunststoff Kunststoff
Kosten ab 570 € ab 400€ ab 80€ ab 349 € 416,5 319 ab 590 €

Die Preise der Helikopter kann man nur schwer Vergleichen, sind sie doch absolut unterschiedlich ausgestattet. Was man aber sehr wohl vergleichen kann sind die Kosten für die Ersatzteile. Hier wurde ähnlich wie bei den Rotorblättern vorgegangen und die Kosten gegenübergestellt (Kosten für Rotorblätter sind nicht inbegriffen, da sie ja immer gleich sind).

Protos 500 Plastic T-Rex 500 Super Combo & T-Rex 500 ESP 3G Gaui 425 Logo 400 Atom 500 G10 ALIEN 500 E-CF Rigid Robbe 4S
Heckrohr  7,75 €  6,00 €  5,90 €  4,60 €  14,80 €  10,80 €  6,50 €
Hauptzahnrad *  4,70 €  6,00 €  4,90 €  11,80 €  10,50 €  18,80 €  13,10 €
Haube ab *  19,50 €  13,99 €  25,90 €  17,00 €  23,80 €  75,00 €  49,00 €
Landegestell *  7,40 €  9,99 €  10,90 €  16,00 €  15,70 €  12,90 €  50,00 €
Ein Seitenteil  10,60 €  32,50 €  26,90 €  9,90 €  29,10 €  30,70 €  61,00 €
Heckstreben  7,90 €  8,99 €  6,90 €  9,90 €  –  12,90 €  6,50 €
Hauptrotorwelle  8,99 €  5,50 €  4,50 €  9,90 €  4,99 €  13,80 €  5,70 €
Blattlagerwelle  2,30 €  3,00 €  2,50 €  7,90 €  3,33 €  8,90 €  3,60 €
Schwerer Crash  69,14 €  85,97 €  88,40 €  87,00 €  102,22 €  183,80 €  195,40 €
Leichter Crash (nur die Positionen mit *)  31,60 €  29,98 €  41,70 €  44,80 €  50,00 €  106,70 €  112,10 €

Die Kosten für die Ersatzteile wurden jeweils auf ein Teil heruntergebrochen. Sind also mehrere Teile in einer Ersatzteilpackung, so wurde der Preis durch die Anzahl geteilt. Bitte beachten. Bei allen Preisen handelt es sich um die Preise zum Zeitpunkt der Recherche. Sie können also jederzeit variieren.

Aufgrund dieser Basis habe ich mich für einen Heli entschieden, es galt ja noch die Theorie in der Praxis zu testen. Da ich eine paddellose Variante vorziehe (wenige Ersatzteile nötig), habe ich mich für den T-Rex 500 ESP 3G entschieden. Dieser wurde noch leicht modifiziert. So wurde z.B. das 3G System von Align gegen ein Microbeast von BeastX ausgetauscht. Auch der 70A Regler musste einen Koby 90 LV weichen. Somit entfernt sich der Heli immer weiter von Standard, aber wie bereits erläutert, geht es hier um die Kosten eines Crashs und absolut einwandfreie Komponenten sind für anspruchsvolles Fliegen unabdingbar.

Auf zum Crash
Aber einfach so abstürzen? Das macht keinen Spaß. Und so hatte ich die Gelegenheit, mal so richtig schön „riskant“ zu fliegen, ohne an einen Crash zu denken, bzw. war er ja das erklärte Ziel. Man glaubt gar nicht, wie frei man in so einer Situation fliegen kann. Also lies der Crash etwas auf sich warten, doch bei einem kontrollierten Absturz hat es dann doch funktioniert. Man schaltet bei einem Platzüberflug einfach in ca. 15 Metern Höhe den Motor aus und stellt den Pitch auf 0 Grad, den Rest erledigt die Schwerkraft.
Der Schaden war überschaubar. Eine Kugelpfanne der Blatthalteranlenkung war gebrochen, die andere Anlenkung war komplett verbogen. Das Heckrohr, samt Starrantriebswelle, waren hinter der Heckstrebenbefestigung verbogen. Ein Hauptrotorblatt war gerissen und beide Heckrotorblätter waren hinüber. Macht in Summe: 64 € (wenn man nur ein Hauptrotorblatt tauscht, werden beide getauscht erhöht sich der Betrag auf 84€).
Die Haube, alle Zahnräder sowie die Wellen blieben unversehrt!

Hier kann man sehr gut sehen, wo die Kräfte des Crahes geblieben sind.

Auf zum Zweiten Crash! Diesmal absolut ungeplant und unfreiwillig. Man könnte auch sagen aus Blödheit! Aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat es krachen zu lassen, warum nicht mal was ausprobieren, was einem schon immer interessiert hat? Also im Rückenflug ruhig mal auf dem Boden aufsetzen. Vermasselt man das, sind die Folgen aber erheblich, denn die komplette Energie der Rotorblätter möchte hier abgebaut werden. Ich mach es kurz. Haube, Hauptrotorwelle, Blattlagerwelle, Rotorblätter, Heckrohr inkl. Starrantrieb, Landegestellt, HZR, Heckstreben und ein Heckrotorblatt. Das hat sich mal so richtig gelohnt und die 100€ Marke Grenze hat man damit auch gesprengt.

Wulst im Heckrohr unten links beachten!

Generell verläuft jeder Crash anders und man kann im Vorfeld nie sagen,  was genau nach einem Crash defekt sein wird. Die beste Vorlage hat mein 3 jähriger Sohn geliefert. Er darf ab und zu auch mal am Simulator fliegen. Nun war Vati aber so doof und hatte an der Fernbedienung den falschen Heli eingestellt. Sohnmann drehte munter die Heckempfindlichkeit der 3D Phase des T-Rex 450 auf 99% auf… nur leider unbemerkt von seinem Vater.  Als ich bei voller Drehzahl in zwei Meter Höhe bei eben diesem Modell auf die 3D Flugphase umgestellt habe, kann man sich ja vorstellen was passiert ist.

Ich habe sofort auf Autorotation umgestellt, doch aufgrund des „wilden“ Hecks und einer Schieflage des Helis ist der 450er voll auf der Seite eingeschlagen. Bis auf das Landegestell, ein Rotorblatt und die Schraube zur Sicherung des Rotorkopfs an der Hauptrotorwelle war nichts defekt. Unglaublich, aber wahr! Als ich den Absturz sah, rechnete ich mit wesentlich mehr Kosten.

Warten auf Ersatzteile….

Ersatzteile auf Vorrat bestellen?
Früher habe ich dazu tendiert, Ersatzteile auf Vorrat zu bestellen. Die Idee war einfach: Immer unmittelbar nach eine Crash alle nötigen Ersatzeile bereit haben. Aber leider hat es fast immer etwas erwischt, was ich nicht auf Vorrat hatte und andere Teile verstaubten schon. Also bliebt mir trotz meines Ersatzteillagers doch nichts anders übrig, als zu warten, bis ich alle Teile wieder zusammen hatte.

Doch dank moderner Logistik und gut ausgestatteter Fachhändler stellt dies heutzutage kein Problem mehr dar. So waren z.B. die bestellten Ersatzteile von Freakware nach etwas mehr als 24 Stunden bei mir zuhause. Somit spricht außer einem Sonderangeboten oder die Vorbereitungen auf einen Urlaub nichts mehr für eine Vorratshaltung von Ersatzteilen. Wichtig ist hier nur zu prüfen, ob eine ausreichende Versorgung mit Ersatzteilen des gewählten Helikopters gegeben ist, denn nur komplett kann der Heli seine Dienste tun.

Jedem der eifrig für Kunstflug oder 3D trainieren möchte, kann ich nur raten sich das Modell aufgrund der Kosten, sowie der Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu wählen. Man fliegt einfach beruhigter, wenn man eine Vorstellung hat, wie hoch die Crashkosten maximal sein können. Da der Trend eh zum Zweitheli geht,  kann man sich ja einen Edlen, und ein Arbeitstier fürs Grobe holen.

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