Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

HeliJive 120+ HV von Kontronik

Basierend auf dem PowerJive brachte Kontronik mit dem HeliJive einen Regler auf den Markt, der speziell für den Einsatz in Helikoptern konzipiert wurde. Die bereits bestehende Technologie wurde dabei um Funktionen erweitert, die es dem Helipiloten erlauben, den Regler noch mehr an seine Bedürfnisse anzupassen. Was genau sich dahinter verbirgt, soll im Folgenden beleuchtet werden.

Rein äußerlich unterscheidet sich der HeliJive nicht von PowerJive, lediglich der Aufkleber verrät, was sich unter dem rot eingossenen Kunststoff verbirgt. Also wollen wir uns nicht länger mit Oberflächlichkeiten aufhalten und gleich die neuen Funktionen ansehen.

„Autorotationsfunktion“
Selbstverständlich möchte man beim Start eines Helikopters die Mechanik behutsam auf Touren bringen und so das Material schonen. Deshalb verfügen die meisten Regler bereits über einen Sanftanlauf. Was aber, wenn man in der Luft aus Versehen den falschen Schalter umlegt und den Motor abschaltet? Bis der Motor im Sanftanlauf wieder hochgefahren ist, vergeht meist zu viel Zeit und das Modell liegt bereits – wie von der Schwerkraft vorgegeben – im Dreck.
Mit der „Autorotations-Schnellanlauf-Funktion“ kann dies vermieden werden. Ist sie programmiert, fährt sie den Motor in nur 1/5 der eingestellten Sanftanlaufzeit hoch. Hat man den Sanftanlauf z.B auf 8 Sekunden gestellt, ist der Motor bereits nach 1,6 Sekunden wieder auf vollen Touren.

Kombi Modus
Bislang konnte ein Regler lediglich im Stellerbetrieb (vorgegebene Gaskurve über den Sender) oder in der automatischen Drehzahlregelung (Regler sorgt dafür, dass die eingestellte Gasgerade gehalten wird) betrieben werden.
Im Kombimodus kann man beides vereinen. Realisiert wird das ganze über zwei Flugphasen. In der ersten wird der Stellerbetrieb eingestellt (klassischerweise eine V-Kurve), in der zweiten programmiert man die Gasgerade. Im Regler selbst wird ein Schwellenwert hinterlegt, ab welchem zwischen Steller- und Reglerbetrieb umgestellt werden soll. So drückt z.B. ein Schwellenwert von 60% aus, das der Regler bei Werten unterhalb von 60% des möglichen Gasweges im Stellerbetrieb arbeitet und darüber in den automatischen Drehzahlmodus wechselt. Jedoch muss man darauf achten, dass kein Wert des Programms für den Stellermodus den Schwellenwert überschreitet, da sonst der Regler in die automatische Drehzahlregelung wechselt.
Diese Funktion dürfte sicherlich für F3C Piloten von Interesse sein, kann man hier für stationäre Figuren (alles was mit Schweben zu tun hat) den Stellerbetrieb verwenden und für andere Figuren den Modus wechseln.

Externer Governor Modus
Diese Funktion liegt voll im Trend der Zeit. Immer mehr FBL-Systeme bieten an, die Gasregelung eines Stellers zu übernehmen. Durch die Tatsache, dass die FBL Systeme schon etwas in die Zukunft sehen können (ein maximaler Pitchausschlag wird sicherlich zu einem Einbruch der Drehzahl führen, wenn man nicht nachregelt), macht diese Funktion auch bedingt Sinn. Jedoch ist diese Funktion sehr stark abhängig von dem Zusammenspiel der beteiligten Komponenten und dem Finetuning über das FBL System.

Erhörte Abschaltspannung
Die Abregelspannung kann nun zwischen 2,0 bis 3,2 Volt pro Zelle gewählt werden. Erreicht der Akku die eingestellte Spannung, wird der Motor abgeregelt.

Erhörte BEC Spannung
Anstatt der 5,8 Volt des PowerJive liefert der HeliJive nun 6 Volt BEC Spannung.

LRPM-Freischaltung
Bislang war es für den Regler schwer, Motor mit einer hohen KV Zahl auch bei niedrigeren Drehzahlen (unter 45%) gut anzusteuern. Der HeliJive wurde mit dem Modus 10 (LRM-Modus) so erweitert, dass auch Werte von unter 45% kein Problem mehr sind. Somit können hochdrehende Motoren auch mit niederen Umdrehungen verwendet werden.

Durchgehende Drehzahlregelung
Im HeliModus geht der Regler davon aus, dass der Regler bei einer Öffnung der Gasfunktion zwischen 65 und 70% betrieben wird. Aus diesem Grund ist auch keine Drehzahlregelung unter einem Wert von 50% der Gaskurve vorgesehen.
Auf Basis der durchgehenden Drehzahlregelung ist eine Regelung über den gesamten Gasbereich möglich. Den Grad der Regelung (P-Wert) kann man über die PROGDISC entsprechend einstellen.

 

So weit so gut, nun sollten noch ein paar Modi des neuen HeliJive im Shape 9.0 probiert werden.
Am interessantesten ist natürliche die Autorotaitons-Schnellanlauf-Funktion. Um das ganze mal vorsichtig zu probieren, wurde der Sanftanlauf auf 15 Sek. Eingestellt, was den Schnellanlauf auf 3 Sekunden verkürzen sollte. Abheben, Höhe gewinnen und Motor ausstellen, Schalter wieder an und der Motor dreht innerhalb kürzester Zeit hoch. Nun könnte man vermuten, dass solch ein abruptes Durchstarten die Mechanik belastet. Jedoch darf man nicht vergessen, dass sich die komplette Mechanik bereits in Bewegung befindet und ein Absturz größeren Schäden nach sich ziehen könnte.
Schnell war klar, dass diese Funktion nicht nur zum Retten eines Modells gut ist, sondern damit auch „Effekthascherei“ betreiben werden kann. Es sieht bzw. hört sich schon spektakulär an, wenn der Motor auf einmal in der Luft ausgeht und das Modell kurz vor dem Boden wieder in die Gänge kommt. Jedoch sollte hier immer genügend Reserve (Platz) einkalkuliert werden, sonst kann das auch mal richtig einschlagen.

Die einzelnen Modi wurden entsprechend der Anleitung über die PROGDISC eingestellt. Jedoch musste sich diese zuerst einem Update unterziehen, damit sie den HeliJive programmieren konnte. Das Einstellen der Parameter gestaltet sich als recht einfach, wurde hier in der PROGDISC ein eigenes Menü für den HeliJive erstellt, über das man die Sonderfunktionen einstellen kann.

Das Experimentieren mit dem Kombi Modus hat besonders Spaß gemacht, hier konnten verschiedenste Einstellungen und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf das Regelverhalten ausprobiert werden.

Die LRPM Freischaltung sowie die durchgehende Drehzahlregelung konnte ich aufgrund meines Setups am System nicht testen, denn der Motor war bereits für den Betrieb mit dem PowerJive bzw. dem gesamten System abgestimmt. Somit bestand weder die Notwendigkeit den Motor langsamer laufen zu lassen, als auch keine Gasregelung unterhalb der 50% einzustellen.
Da es zum Zeitpunkt des Tests noch Probleme zwischen der Abstimmung des V-Stabi und dem HeliJive gab, habe ich diesen Test bewusst ausgelassen. Laut Aussagen von Kontronik soll es im November ein Update geben, das die Probleme bei der Kopplung der Systeme behebt.

Fazit:
Die neuen Funktionen des HeliJive bringen für alle etwas. Egal ob man mehr Sicherheit haben möchte „Autorotation“ oder feinere Einstellungen für den F3C Flug vornehmen möchte. Ja sogar ein „unpassender“ Motor kann so in einem Modell betrieben und über den HeliJive entsprechend geregelt werden.
Aufgrund der Tatsache, dass sich der HeliJive im Preissegment des PowerJive bewegt, spricht absolut nichts dagegen, hier sofort zum HeliJive zu greifen.

 

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