Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

Microbeast von BEASTX

Viva la Revolution


Paddellose Helikopter bringen für alle etwas. Die Scalefraktion erhält durch das Wegfallen der Paddelstange vorbildgetreue Helikopter und die 3D Bolzer sparen sich bei einem Crash ein paar Ersatzteile. Leider hatte das paddellose Fliegen (FBL) auch seinen Preis,und Piloten, die eine „digitale Paddelstange“ verwenden wollten, mussten dafür tief in die Tasche greifen. So zumindest war das bist Anfang April, denn seit Einführung des Microbeast hat sich dies geändert. Für gerade mal 139 € bietet Freakware (der Hersteller des Microbeast) ein vollwertiges FBL-System zum Preis eines guten Heckkreisels an und FBL wird nun zum Volkssport.

Lange wurde darüber spekuliert, wie gut ein FBL-System sein kann, das zu so einem günstigen Preis angeboten wird. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, als der Postler unverhofft meine Vorbestellung des Systems lieferte.
Das Microbeast wird in einer eher kleinen, sehr schön gestalteten Verpackung geliefert. Diese beinhaltet, das Microbeast selbst, einen 15cm Anschlusskabelsatz für den Empfänger, eine Bedienungsanleitung, Klebepads sowie ein kleiner Kunststoffschraubendreher zum Einstellen der Potis. Wer rechtzeitig bestellt hat, findet in seiner Lieferung auch einen USB Adapter, über welchen das Microbeast auch per PC eingestellt werden kann.

Zunächst habe ich das Microbeast selbst etwas genauer in Augenschein genommen. Die Elektronik sitzt in einem Alu–Block, der aus dem Vollen gefräst wurde. Das Microbeast selbst ist wesentlich kleiner als der Alu–Block selbst, dieser musste aber aufgrund der Anschlüsse so dimensioniert werden. Auf der Oberfläche befinden sich drei Drehpotis, über die das System individuell angepasst werden kann. Ferner sind 14 LEDs vorhanden, welche mit den Buchstaben A bis N beschriftet sind. Sie zeigen an, in welchem Schritt man sich beim Setup des Systems sowie der Parametereinstellung befindet. Eine weitere etwas größere LED mit der Bezeichnung „Status“ gibt Auskunft über den aktuell eingestellten Wert, sowie den Zustand des Systems. Im nächsten Schritt wurde das Handbuch studiert. Ums es gleich vorweg zu nehmen, dies kann nur als tadellos bezeichnet werden. Der Hersteller hat es geschafft, das System selbst, sowie alle Schritte der Einstellung sehr übersichtlich und verständlich darzustellen. Das System sollte – so war mein Eindruck – innerhalb kürzester Zeit eingestellt werden können.

Doch bevor ich mit dem Einstellvorgang starten konnte, musste zuerst die Mechanik umgebaut werden. Als Helikopter dient ein T-Rex 600 ESP. Zuerst wurden alle – nicht mehr benötigten mechanischen Teile entfernt. Danach wurde die FBL-Mechanik verbaut. Dabei fiel die Wahl auf das Umrüstkit von Mikado. Es bietet den Vorteil, dass sehr viele Teile des ESP Baukastens verwendet werden können und das System sich bereits mehrfach bewährt hat.
Jetzt wurde das Microbeast zwischen Empfänger und Servos platziert. Dazu wurden die Servos vom Empfänger angezogen und wie in der Anleitung angegeben am Microbeast befestigt. Die Steckverbindungen des Microbeasts hatten für den Einsatz am T-Rex 600 genau die richtige Länge und es waren keine Nacharbeiten nötig. Das Microbeast wurde genau an der Stelle platziert, an der sich vorher der Gyro befand, so ist es für weitere Einstellungen sehr gut zugänglich. Nachdem alles angeschlossen war, wurden die ein- und abgehenden Kabel unmittelbar nach dem Microbeast am Chassis fixiert. Dies verhindert eine Beeinflussung des Systems bei eventuell auftretenden Vibrationen. Damit war die Montage komplett beendet und es ging weiter mit der Einstellung des Microbeast.

Da das Microbeast selbst das Mischen der Taumelscheibenservos übernimmt, ist es unabdingbar, vor dem Einstellen des Helikopters ein H1 Programm (je TS-Servo genau ein Kanal) an der Fernbedienung einzustellen. Nachdem diese Einstellung an der Fernsteuerung vorgenommen würde, kann das Microbeast eingeschaltet werden.
Das Basissetup beinhaltet 14 einfache Schritte, in denen alle nötigen Informationen für den FBL Betrieb eingestellt werden. Der jeweilige Schritt wird durch eine LED angezeigt. Ferner wird die aktuelle Einstellung über eine farbige LED dargestellt.
Die meisten Funktionen werden über den Hecksteuerknüppel der Fernbedienung auf den gewünschten Wert eingestellt. Zwischen den einzelnen Funktionen wird mittels eines Tasters am Microbeast umgeschaltet. Den Umfang der Einstellungen kann man der Kurzübersicht (entnommen aus der Bedienungsanleitung) entnehmen. Besonders erwähnenswert finde ich die Taumelscheibenbegrenzung. Hier wird ein virtueller Taumelscheibenring eingelernt, der ein Übersteuern bzw. ein Anlaufen der Gestänge verhindert. Auch beinhaltet die Anleitung eine Übersicht der gängigen Servos samt deren Ansteuerfrequenz, sowie dem Mittenimpuls für Heckservos. Diese Werte werden im Laufe des Setups hinterlegt, um eine ideale Ansteuerung der Servos gewährleisten zu können.

Nachdem das Basissetup beendet ist, kann man über das Parametermenü das Microbeast an seine individuellen Bedürfnisse anpassen. Hier steht einem eine Taumelscheibenfeinabstimmung zur Verfügung, über welche die Taumelscheibe nachgetrimmt werden kann. Über das Steuerverhalten kann die maximale Drehrate des Helikopter bestimmt werden, auch beeinflusst diese Einstellung das Verhalten des Roll-Nick- und Hecksteuerknüppels im Bereich der Knüppelmittelstellung (Empfindlichkeit). Über die Funktion Aufbäumkomensation, kann ein Unter. bzw. Überschneiden des Helikopters unterbunden werden. Die letzte Funktion im Parametermenü stellt die Heckempfindlichkeit dar. Alle genannten Werte (bis auf die Taumelscheibenfeinabstimmung) können auch auf die Fernbedienung gelegt und von dort aus eingestellt werden. In meinem Fall habe ich einfach alle Werte auf der Werkseinstellung belassen, lediglich die Empfindlichkeit des Hecks wurde auf die Fernsteuerung gelegt.

Weitere Einstellmöglichkeiten bieten die drei Potis, welche durch das mitgelieferte Werkzeug eingestellt werden können. Hier kann das Einrastverhalten bei zyklischen Steuerbefehlen, der Direktanteil der Steuerbefehle, sowie die Heckdynamik selbst eingestellt werden. Der Hersteller empfiehlt, diese Einstellungen für den Erstflug in der Grundeinstellung zu belassen und so sollte es auch sein.

An der Fernbedienung wurde lediglich die Gaskurve sowie ein Timer programmiert, alle anderen Einstellungen wurden über das Microbeast vorgenommen. Der komplette Einstellvorgang war innerhalb von ca. 20 Minuten beendet und nachdem alle Einstellungen noch mal kontrolliert wurden, ging es zum Erstflug.

Nach dem Einschalten quittiert das Microbeast seine Einsatzbereitschaft durch eine kurze Ansteuersequenz der Taumelscheibenservos. Der Sanftanlauf brachte die Rotorblätter auf Touren und ich gab beherzt Pitch. Das Modell stand stabil im Schwebeflug vor mir, ein Nachtrimmen war nicht nötig.
Zuerst wurden Pitch Pumps (heftige positive und negative Pitchstösse) probiert, dabei stand das Heck nicht 100% stabil und es musste ein paar Prozentpunkte nachgetrimmt werden. Danach ging es zu einfachen Überflügen und ein einmal eingeschlagener Kurs wurde wie auf Schienen befolgt. Dies schaffte Vertrauen und Lust auf mehr. Das Handling war bereits mit der Grundeinstellung schon sehr gut und das Steuerverhalten fühlte sich sehr vertraut an. Auf zum Speedflug, auch hier zeigte sich das Modell bzw. das Microbeast von seiner besten Seite und weder ein Aufbäumen, noch die für Störungen typische „Delphinbewegung“ konnte hier beobachtet werden. Also wurden Rollen geflogen. Diese klappten wie man so schön sagt „wie am Schnürchen“. Auch die Tic Tocs wurden sehr sauber absolviert. Danach wurde der Heli noch auf den Kopf gestellt und mit vollem negativem Pitch nach oben befördert, auch hier wich das Modell nicht vom Kurs ab. Auch konnte das Modell noch – wie bei FBL Systemen üblich – mit verminderten Drehzahlen noch stabil geflogen werden. Beim schnellen Rückwärtsflug zeigte sich auch die Kreiselfunktion von seiner besten Seite. Ein Ausbrechen des Hecks konnte ich nicht erkennen.

Nach dem erfolgreichen Erstflug habe ich etwas mit den Parametern und den Potis gespielt. Schnell war klar, mit welcher Einstellung man welchen Effekt erzielt und die Abstimmung auf meinen persönlichen Flugstiel dauerte nur wenige Akkuladungen.

Am Ende der Einstellungen hatte ich ein Modell, dessen Flugeigenschaften mir wesentlich besser gefielen, als die der Paddelversion. An dieser Stelle möchte ich nicht vorenthalten, dass man dies auch mit der entsprechenden Paddelstange und den für den Anwendungszweck passenden Paddel hätte erreichen können, jedoch muss man auch hier etwas mit dem Setup „spielen“. Der Unterschied liegt aber ganz klar in den unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten der „digitalen Paddelstange“.

Durch ein separat zu erwerbendes Kabel kann das Microbeast auch als reiner Heckkreisel verwendet werden.

Fazit:
Obwohl das Microbeast noch recht neu auf dem FBL Markt ist, verfügt es bereits jetzt über mehrere Faktoren, die es binnen kürzester Zeit etablieren dürften. Zum einen spricht der Preis eine ganz deutliche Sprache. Auch dürfte der Leistungsumfang für die Mehrzahl der Piloten mehr als ausreichend sein. Und der einfache Einstellvorgang ermöglicht es auch Neueinsteigern, die ideale FBL Einstellung für ihr System zu erreichen. Mich persönlich konnte das System uneingeschränkt überzeugen.

Preview:
Aktuell kann das Microbeast lediglich über die Fernbedienung programmiert werden, demnächst wird ein Programm erscheinen, über welches man alle Einstellungen direkt am PC vornehmen kann. Ebenfalls können über diese PC-Verbindung auch neue Softwareversionen auf das Microbeast aufgespielt werden.
So soll es nach dem ersten Update auch möglich sein, direkt am Microbeast einen Spektrum Satellitenempfänger oder eine Summensignalempfänger betreiben zu können.

Technische Daten:
Betriebsspannung: 3,5V…8,5 V DC (Lipo 2S möglich)
Prozessor: 32Bit ARM
Analogverarbeitung: 17Bit
Sensorik: 3 MEMS Winkel-Beschleunigungssensoren
Wählbare Servo-Neutralimpulsweite Heck: 760μs / 960μs / 1520μs
Wählbare Servo-Impulsrate: Heck: 50 Hz / 165 Hz / 270 Hz / 330 Hz
Taumelscheibe: 50 Hz / 65 Hz / 120 Hz / 200 Hz
Taumelscheiben Typ einstellbar: Mechanisch / 90° / 120° / 140°
Serieller Pulseingang: PPM / S-BUS / Spektrum-Satellit*
Abmessungen: 34 x 25 x 13,5 mm
Gewicht ohne Kabel: ca. 20 g

* (im Auslieferungszustand nicht möglich)

 


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