Testberichte und Informationen aus dem RC-Modellbau

Umbau 4S zu Sfour

Ganze 4 Jahre sind vergangen, seit Robbe ihren 4S vorgestellt haben. Dabei handelte es sich um einen von Knut Schasse entwickelnden Helikopter der 500 Klasse. Er wurde klassisch – wie damals noch üblich – mit einem Paddelkopf geliefert. Der Riemenantrieb machte das Betriebsgeräusch angenehm und dank der verschiedensten Riemenräder konnte das Modell auf einem weiten Spektrum von 4 bis 6 Lipozellen geflogen werden (wenn gleich der Stock Motor bei 5 S schon recht warm wurde).

So bin auch ich damals gerne mit dem 4S durch die Luft gejagt und wenn ich mich zurück erinnere, war das Flugverhalten des 4S mit „Fliegen wie auf Schienen“ zu beschreiben.
Doch dann verging die Zeit und neue Entwicklungen kamen auf den Markt. Vor allem die paddellosen Helikopter verdrängten die Heils mit Paddelstangen immer mehr und der 4S schien in Vergessenheit zu geraten.

Der Paddelkopf des 4S

Doch dank eines glücklichen Zufalls landetet die komplette Konstruktion, bzw. die Rechte daran, bei Ulrich Duttenhöfer. Er war einer der Top-Seller des 4S von Robbe und hatte dessen Potenzial schon lange erkannt. Kurzer Hand erwarb er wie gesagt die Rechte am 4S, und nannte das Modell zu „S four“ um. Unter diesem Namen wird er nun von der eigens dafür gegründeten Firma Concept Helikopters vertrieben.

Neuerungen, die der „S four“ dabei erfahren durfte sind ein flybarless Kopf sowie eine neue Haube. Die Bilder auf der Homepage gefielen mir ungemein und mein Interesse war geweckt. Wie wird das Modell wohl fliegen?

Kurzerhand wurde das FBL-Kopfsystem und eine Haube in orange geordert. Noch ein paar Riemenräder dazu, um etwas mit dem Drehmoment zu spielen und es konnte losgehen… Fast! Denn im 4S war immer noch der Stock Motor und dessen Leistung sollte für meine Bedürfnisse nicht reichen. Also wurde noch eine neue Antriebskombo besorgt. Da der Heil sowohl mit 5S als auch mit 6S betrieben werden sollte (Akkus sinnvoll mehrfach nutzen), ist die Wahl auf ein Kontronik System bestehen aus Pyro 600-09 und Jive 100 LV gefallen. Nun hatte ich alles, was ich für den Umbau benötigte.

Der Umbausatz macht aus dem 4S ein Sfour

Los ging es mit dem Rotorkopf. Im Upgradekit sind alle für den Umbau benötigten Teile vorhanden. Vom dem „alten“ Rotkopf werden die Blattlagerwelle, Blatthalter sowie die Befestigungsschraube an der HRW benötigt. Die Passgenauigkeit sowie die Detailverliebtheit der Teile ist bemerkenswert. So passen z.B. die aus Delrin bestehenden Lager perfekt in der Rotorkopf und schließen nahezu luftdicht ab! Auch die technische Lösung für die Taumelscheibenmitnehmer ist so einfach wie genial. Und setzt man die Mutter zur Befestigung der Hauptrotorwelle an erkennt man, dass hier nach dem Prinzip „Design follows functionality“ gearbeitet wurde. Die Mutter wird von den Seitenteilen eingefasst und somit ist bei der Montage weder ein Gabelschlüssel noch ein Zange notwendig. Die in der Anleitung angegeben Längen für die Blattanlenkung haben auf Anhieb gepasst und es musste nichts nachgestellt werden.

Der FBL Kopf kann sich sehen lassen

Um die Rotorblätter noch tiefer zu legen, wurde eine gekürzte Hauptrotorwelle verbaut, das sieht erstens gut aus und spart noch minimal Gewicht.
Apropos Gewicht. Nach dem Umbau bringt der Heil ganze 109 Gramm weniger als zuvor auf die Waage.

Die gekürzte Rotorwelle des Sfour

Weiter geht es mit der Elektronik.
Der Stock Motor wurde wie eingangs schon erwähnt gegen einen Kontronik Pyro 600-09 getauscht. Die Auswahl der in Frage kommenden Motoren hält sich in Grenzen, da unter der Haube nicht wirklich viel Platz für den Motor ist und auch der Stock Motor hat nur wenige Millimeter bis zum Anschlag. Der Pyro wiegt lediglich 32 Gramm mehr, bietet aber mit seinen bis zu 2 KW Dauerleistung ungemein mehr Leistung.
Um dem Motor einbauen zu können, müssen zwei Änderungen vorgenommen werden. Erstens benötigt man die Distanzscheiben zwischen Motor und Motorträgerplatte nicht mehr, dadurch werden aber die Schrauben zur Befestigung des Motors zu lang. Also tauscht man diese einfach mit denen des Motorträgers. Zweitens muss das Riemenrad auf 6 mm aufgebohrt werden, da die Welle des Pyro 6mm misst.
Jetzt fehlt nur noch das richtige Riemenrad. Mit einem 28 Riemenrad erhält man eine Übersetzung von 6,81 von Motor zu Rotor. Bei 930 KV mach das bei 6S Akku eine Regleröffnung von ca. 76% um auf eine Drehzahl von 2300 U/min. zu kommen.

Die Position für den Regler ist auch schnell gefunden. Zwar könnte hier die Auflagefläche etwas größer sein, aber richtig befestigt reicht das allemal aus.

Ein Jive 100 LV und ein Pyro 600-09 werkeln im Sfour

Als FBL-System wurde ein MICROBEAST verwendet. Die Programmierung war in gewohnter Weise schnell abgeschlossen.

Fehlt nur noch die Haube. Die alten Hauben des 4S waren dafür bekannt, nicht gut getempert zu sein und zu Rissen neigen. Bei der neuen Haube verhält sich das anders. In Wirklichkeit verbergen sich darunter noch die alten Hauben, jedoch sind diese von Grund auf neu überarbeitet worden und so ist das Material jetzt wesentlich biegsamen und neigt nicht mehr so schnell dazu Risse zu bekommen. Die Hauben gibt es in den Farben orange und schwarz. Ich habe mich aufgrund der Sichtbarkeit für eine orange entschieden. Die Haube besitzt eine Metallig-Glitter Effekt, was sie in der Sonne zum Diamanten werden lässt.

Der Sfour ist bereit für den Start.

Eigentlich könnte es jetzt los gehen… beim letzten Check fällt mir aber auf, dass ich noch einen Fehler in meiner Konstruktion habe. Die original Rotorblätter von Robbe sind bei weitem nicht für 2300 U/min ausgelegt. Entsprechend wir hier eine Alternative benötigt. Das ist aber gar nicht so einfach, den die Blätter dürfen nicht länger als 465 mm sein. Dazu darf die Blattwurzel nicht mehr als 10mm haben. Abhilfe schafft hier das Strich Kit, mit dem man Rotorblätter bis zu einer Länge von 515 mm montieren kann. Das Kit, bestehend aus Heckrohr, Riemen, Schubstange und Heckstreben, kostet gerade mal 25 € und somit war schnell klar, wie ich das Problem lösen konnte. Nachdem das Stretch Kit montiert war kamen neue SpinBlades 515mm FBL Rotorblätter auf den Heil. Mit ihnen kann bis zu einer Drehzahl von 2600 U/min geflogen werden, ein Wert den ich bei weitem nicht benötige.

so macht das Spaß

Mit 13 Grad Pitch geht es nun mit dem S four, denn so darf sich das Modell mit neuem Kopf und Haube nun nennen, auf den Platz.

Los geht es mit dem 5S Akku. Hier wurde ein Topfuel 30C light mit 4500 mAh verwendet. Er scheint mit seinen 600 Gramm recht schwer für das Modell zu wirken und dürfte keine 5 mm breiter sein, da er sonst nicht mehr in das Modell passen würde. Die Sicherung des Akkus mit Klettband ist rein obligatorisch, würde er aufgrund der verbauten Anti-Rutsch Unterlage doch auch so schon sehr gut halten. Es sei ganz klar gesagt, dass es nicht größer geht und man sich hier am maximal möglichen bewegt.

Zu Beginn fliege ich erst mal ein paar Runden über den Platz und mache mich mit dem Steuerverhalten vertraut. Der S four zeigt sich bzgl. dem hohen Gewicht des Akkus nicht wirklich beeindruckt. Das Modell fühlt sich sehr angenehme und vertraut an. Greift man beherzt in die Knüppel ist der Heli entsprechend spritzig. Bei Rainbows scheint das Modell trotz eines gesamten Abflugewichts von 2356 Gramm förmlich in der Luft zu stehen.

Kurze Zwischenlandung, um die Parameter noch etwas anzupassen. Auch wird gleich der Akku gewechselt, den nun möchte ich es wissen. So, jetzt darf das Model mal zeigen, welche Leistung in ihm steckt. Rotor hochdrehen, kurzer Pitchstoss, danach über Nick den Heil schräg angestellt und vollen Pitch geben. „Wusch“, der S four zieht mit einer unglaublichen Gewalt davon!

Das Modell wird mit 5s und 6S Hacker TopFuel Akkus betrieben

Die Beschleunigung ist bemerkenswert und schnell muss das Modell wieder abgebremst werden, bevor es zu weit weg ist. Ich grinse glücklich vor mich hin. Zwar hatte ich mir von der Antriebskombi eine sehr gute Leistung erhofft, aber was ich da gerade erlebt habe war mit einem Wort „genial“. Das sollte auch die Logdatei belegen. Bei diesem Pitch-Pump wurde ein Leistung von 2675 Watt an den Tag gelegt. Dies verursachte eine Peak von 132A.

Bei moderaten Platzüberflügen sinkt der gemessene Storm kaum über 17A. Hier kann man – vorausgesetzt man reduziert die Drehzahl – noch wesentlich tiefer kommen und Flugzeiten von über 10 Minuten sind damit kein Problem.

 

Weiter geht es mit 6S hier wurde ein Topfuel 40C mit 2500 mAh verwendet. Aufgrund seiner Bauform passt auch er ideal in den Akkuschacht. Und die Sicherung mit Klettband ist wie bei seinem 5S Kollegen rein obligatorisch. Der 6S Akku bringt satte 160 Gramm weniger auf die Waage und es geht mit 2196 Gramm an den Start.

Es wird kurz die Drehzahl eigestellt, danach folgt das gleich Programm wie mit dem 5S Akku. Aufgrund des verminderten Abfluggewichtes verhält sich das Modell noch agiler. Und auch hier ist die Leistung beeindruckend. Der maximal gemessene Peak beträgt 100A, dabei wurde eine Leistung von knapp 1,9 KW entwickelt.

Fazit
Durch den Umbau auf einen S four wird aus dem 4S ein top aktueller Helikopter, der sich sowohl technisch, als auch was das Design betrifft, hinter keinem seiner Kollegen zu verstecken braucht. Es ist schön zu sehen, das ein bereits bewährtes Konzept weiter entwickelt wurde und uns so neu begeistern kann. Aufgrund der unterschiedlichen Setupmöglichkeiten des Modells dürfte hier für jeden etwas dabei sein. Angefangen vom Heckschweber, der mit 5S einen relativ günstigen Akku und lange Flugzeiten hat, bis hin zum 3D Piloten, der es mit 6S so richtig krachen lassen kann.

 

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